Warum das „aus sich heraus erschaffen“ ein wichtiger Schritt für die Heilung ist

Kreativität ist ein schöpferischer Akt. Viele denken dabei zuerst an Malen, Tanzen oder Basteln. Wenn ich meinen Klientinnen im Rahmen der Bulimie-Begleitung in Einzelsitzungen erkläre, wie wertvoll kreativer Ausdruck sein kann, entsteht manchmal sofort die Vorstellung, dass sie nun malen oder etwas Bestimmtes tun müssen.

Aber genau darum geht es nicht. Es geht nicht darum, etwas machen zu müssen, sondern etwas machen zu wollen. Denn sobald aus kreativem Ausdruck eine Pflicht wird, entsteht wieder Druck – und davon erleben viele Betroffene ohnehin schon genug.

Kreativer Ausdruck kann helfen, Gefühle in Bewegung zu bringen

Emotionen können sich manchmal wie angestaute innere Energie anfühlen. Ess-Brech-Anfälle können kurzfristig dazu dienen, starke Anspannung abzubauen oder mit intensiven Gefühlen umzugehen.

Kreativer Ausdruck kann eine andere Möglichkeit sein, Gefühle wahrzunehmen und ihnen Raum zu geben. Dabei spielt auch der Körper eine Rolle: durch Bewegung, Stimme, Hände, Mimik oder einfach dadurch, dass du etwas gestaltest und nach außen bringst.

Es muss dabei nichts „Schönes“ oder Besonderes entstehen. Entscheidend ist nicht das Ergebnis, sondern das Erleben währenddessen.

Kreativität ist viel mehr als Malen und Basteln

Kreativität kann sehr unterschiedlich aussehen. Sie zeigt sich überall dort, wo du aus dir heraus etwas tust, das sich leicht, lebendig oder stimmig anfühlt.

Das kann Malen oder Tanzen sein – genauso aber auch Reden, Lachen, Singen, Schreiben, Summen, Schminken, Blumen umtopfen, eine Wand streichen oder etwas in deiner Wohnung verändern. Manchmal reichen schon fünf Minuten.

Wichtig ist, darauf zu achten, wie es sich für dich anfühlt. Wenn aus Leichtigkeit Anstrengung und aus Freude ein neues „Ich muss“ wird, darfst du auch wieder aufhören. Beginne dann erneut, wenn du wirklich Lust darauf hast und Freude oder Vergnügen dabei empfindest.

Kreativer Ausdruck soll keinen neuen Leistungsdruck erzeugen. Er darf dir vielmehr dabei helfen, dich selbst, deinen Körper und deine Gefühle auf eine andere Weise wahrzunehmen.

Bild: unsplash.com – Tim Goedhart

 

 

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