
Nach 16 Jahren eigener Erfahrung mit Bulimie und vielen Jahren in der Bulimie-Begleitung meiner Klientinnen habe ich immer wieder erlebt, dass Wut ein wichtiges Thema sein kann.
Oft ist diese Wut schon lange da und mit bestimmten Erfahrungen oder Lebensthemen verbunden, die Betroffene seit vielen Jahren begleiten. Gleichzeitig ist ihnen die Tiefe oder das Ausmaß ihrer Wut häufig gar nicht bewusst.
Wenn sich Wut gegen dich selbst richtet
Bei manchen Frauen kann sich Wut auch gegen sie selbst richten. Ein Ess-Brech-Anfall kann dann kurzfristig das Gefühl vermitteln, innere Anspannung abzubauen oder Erleichterung zu schaffen. Die dahinterliegenden Gefühle verschwinden dadurch jedoch nicht automatisch.
Deshalb kann es hilfreich sein, sich der eigenen Wut überhaupt erst bewusst zu werden: Wann taucht sie auf? Gegen wen oder was richtet sie sich? Und warum fällt es vielleicht so schwer, sie wahrzunehmen oder auszudrücken?
Viele Frauen haben Hemmungen, ihre Wut zu zeigen. Dahinter können Angst, Unsicherheit oder Scham stehen. Manchmal spielen auch Erfahrungen aus der Kindheit eine Rolle – etwa wenn Wut nicht erwünscht war oder es wenig Raum dafür gab, starke Gefühle offen auszudrücken.
Wut darf da sein
Wut gehört zu unserem natürlichen Gefühls- und Verhaltensspektrum. Sie kann uns zeigen, dass Grenzen überschritten wurden, Bedürfnisse nicht erfüllt sind oder etwas in unserem Leben nicht stimmig ist.
Hinter ihr steckt häufig viel Energie. Wenn du lernst, deine Wut wahrzunehmen, zu verstehen und auf eine für dich passende Weise auszudrücken, kann das ein wichtiger Schritt im Umgang mit deinen Gefühlen und deinen bisherigen Mustern sein.
Auch in der Begleitung bei Bulimie kann es deshalb wertvoll sein, der eigenen Wut Raum zu geben – ohne sie gegen dich selbst richten zu müssen.
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